Beschreibung
England im 19. Jahrhundert. Eine Reihe von Angriffen auf Textilfabriken sorgt fur Unruhe bei den Eigentumern. Zuvor sind in Folge der Einfuhrung neuartiger Maschinen die Löhne radikal gesenkt, Arbeitsplätze gestrichen und die Freiheiten der Belegschaft verringert worden. Die Arbeiter reagieren radikal auf die Situation und zerstören in Hunderten von organisierten Attacken und Sabotageakten die neue Technik. Der Mythos ihrer fiktiven Anfuhrerfigur, King Ned Ludd, verleiht den Maschinensturmern ihren Namen: Ludditen. In einer historischen Suchbewegung verfolgt Gavin Mueller ihre Spuren und zeigt, wie sich die Ansätze der Ludditen bis heute in unterschiedlichsten Arbeitsbereichen, bewusst oder unbewusst, immer wieder Bahn gebrochen haben - und das, obgleich ein Großteil der marxistischen Tradition sie stets als kurzsichtige Fortschrittsfeinde abtat. Mueller berichtet von Webern, Hafen- und Minenarbeitern, deren soziokulturelles Leben durch die Maschinen zersetzt wurde. Er erzählt von Automatisierungsprozessen, die die Prekarität bestimmter Bevölkerungsgruppen verschärften, von Studierenden, die im Protest gegen den Vietnamkrieg Computer zerstörten sowie von modernen Hackern, filesharenden Copyright-Pirat*innen, von DIY-Reparaturworkshops und Supermarktdieben. Ein Plädoyer fur einen neuen, linken und kämpferischen Blick auf die Geschichte und Zukunft der Maschinensturmer, der in den Fokus ruckt, was schon das Ziel der fruhen Ludditen war: Autonomie.
Produktsicherheitsverordnung
Hersteller:
Edition Nautilus GmbH
Katharina Picandet
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Schützenstraße 49a
DE 22761 Hamburg
Autorenportrait
Gavin Mueller unterrichtet Media Studies an der Universität Amsterdam im Fachbereich Neue Medien und Digitalkultur. Er promovierte an der George Mason University in Kulturwissenschaften mit einer Arbeit über Politik und Kultur von Medienpiraterie. Er schreibt u.a. für Jacobin Magazine und Viewpoint Magazine, wo er Teil der Redaktion ist.
Leseprobe
Das Problem mit der Technik ist nicht, dass sie uns vom Sein oder von der authentischen Erfahrung entfremdet. Schließlich ist das ein Problem, fur das die Technologiefirmen uns gerne die Lösung verkaufen: Google und Apple haben jeweils eigene 'Wohlfuhl'-Dienste entwickelt, mit deren Hilfe Nutzer*innen ihre Bildschirmzeit einschränken können. Das grundlegende Problem mit der Technik ist vielmehr ihre Rolle bei der Reproduktion von Hierarchien und Ungerechtigkeiten, die den meisten von uns durch Unternehmer*innen, Chef*innen und Regierungen aufgezwungen werden. Mit anderen Worten: Das Problem mit der Technik ist ihre Rolle im Kapitalismus.